E-Commerce in Indien überreguliert für ausländische Investitionen?

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Indiens E-Commerce Sektor wurde diese Woche gleichermaßen gelobt und verteufelt. Experten prognostizieren dem Markt aufgrund von ausländischen Investitionen, die das japanische Unternehmen Softbank mit einem Investment von 627 Millionen USD in SnapDeal anführt, ein hohes Wachstumspotential, während Indiens Regierung massiv wegen Regulierungen der Industrie kritisiert wurde.

Amazon, der Gigant unter den E-Commerce Firmen, hat trotz eines Umsatzwachstums von 50,2 % in Indien im Geschäftsjahr bis zum 31. März öffentlich bemängelt, dass die schwer zu verstehenden und zu befolgenden Gesetze seine Geschäftstätigkeit in Indien negativ beeinflussen. So wurde sogar auf die Möglichkeit verwiesen, dass ein Ausbleiben von Verbesserungen bei derartigen Gesetzten, Amazons zukünftige Präsenz im indischen Markt beeinflusst.

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Amazon verglich die Schwierigkeiten mit den bereits in China gemachten Erfahrungen. In einem Eintrag wurde vermerkt, dass „obwohl Amazon glaubt, dass seine Geschäftstätigkeit geltendem Recht entspricht, die Interpretation dessen mit individuellen Risiken verbunden ist. Es gibt signifikante Unsicherheiten bei der Interpretation des indischen und chinesischen Rechts, wobei die Möglichkeit besteht, dass die jeweilige Regierung nicht den Standpunkt Amazons annehmen wird.“

Dem wird hinzugefügt, dass „es eventuell nicht möglich ist die Geschäftstätigkeit in China und Indien fortzuführen, wenn Amazon oder seine Tochterunternehmen keinen Zugang zu ausreichenden finanziellen Mitteln haben.“

Diese Kommentare sind auch auf Amazons Verlust in Indien im vergangenen Fiskaljahr zurückzuführen. Obwohl es dem Unternehmen gelang, sich im Vergleich zum Vorjahr zu verbessern, ergab sich ein Verlust von 3.213 Millionen Rupien. Nachdem der Konzern zuletzt Investitionen in Höhe von 2 Milliarden USD in sein Indien-Geschäft bewilligt hatte, ist es verständlich, dass diese Entscheidung in Anbetracht der Verluste nochmals überdacht wird.

Die Enttäuschung Amazons und anderer E-Commerce Firmen ist auf die Handhabung von ausländischer Direktinvestitionen im Zusammenhang mit E-Commerce durch die indische Regierung zurückzuführen. Während die Regularien für FDI in vielen Sektoren sehr liberal sind, erlaubt die Regierung nach wie vor keine Investitionen in den Online-Einzelhandel und beschränkt E-Commerce Investitionen auf 51 %. Um einer Bestrafung zu entgehen, führen E-Commerce Unternehmen komplizierte Strukturen ein, die belegen sollen, dass sie als Handelsplattformen agieren; trotzdem werden sie oft von der indischen Regierung reguliert.

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Für die indische Regierung gibt es jedoch zurzeit keinen Anlass für eine Änderung der Vorgehensweise. Zwischen 2009 und 2012 stieg das Volumen des indischen E-Commerce Marktes von 2,5 Milliarden USD auf 8,5 Milliarden USD an. Im vergangenen Jahr betrug die Wachstumsquote beeindruckende 88 %, das Volumen 16 Milliarden USD. Trotz der Schwierigkeiten, von denen unter anderem Amazon berichtet, zieht das Land weiterhin viele Online-Unternehmen an. Die indische Markenwert-Stiftung (IBEF) stellte kürzlich fest, dass ca. eine Millionen kleine und große Online-Einzelhändler die zahlreichen E-Commerce- Plattformen des Landes nutzen.

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Dies ist umso verständlicher, wenn man einen genaueren Blick auf den indischen E-Commerce Markt wirft. Indien ist eines der Länder mit der niedrigsten E-Commerce Verbreitung; momentan sind nur 13 % der Bevölkerung aktive Internetnutzer. Außerdem ist das Land dazu auserkoren von seiner demographischen Verteilung zu profitieren: 65 % der Bevölkerung sind zwischen 15 und 65 und 29 % unter 15 Jahre alt. Somit ist es nahezu unmöglich den indischen E-Commerce-Markt zu ignorieren.

Anfängliche Verluste sind üblich, wenn ein Unternehmen in einen neuen Markt eintritt. Bezogen auf Amazon überwiegen die potentiellen Vorteile bei weitem die momentanen Verluste. Für E-Commerce-Unternehmen die in den indischen Markt expandieren wollen, ist es wahrscheinlich, dass sie zumindest in absehbarer Zukunft weiterhin die Vorgaben der Regierung befolgen müssen, um einen Zutritt zum Markt zu erhalten.

 

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