Warum deutsche CEOs auf Indien setzen: Die Chancen eines Freihandelsabkommens zwischen Indien und der EU

Posted by Written by Archana Rao Reading Time: 5 minutes

Indien und Deutschland haben ihre bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen parallel zu Indiens verstärkten Bemühungen um ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (EU) neu ausgerichtet. Mit dem nun abgeschlossenen Abkommen stellt dieses Indiens 19. Handelsabkommen dar und zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten, was die Größe und strategische Wichtigkeit des EU-Marktes widerspiegelt.

Das Freihandelsabkommen soll Indiens Exportzugang zum 27-köpfigen EU-Block, einschließlich Deutschland, deutlich verbessern und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten stärken sowie eine tiefere, langfristige wirtschaftliche Integration zwischen Indien und Europa fördern.

Seit 2014 hat Indien zahlreiche Handelsabkommen abgeschlossen oder umgesetzt, unter anderem mit Mauritius, Australien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Oman, dem Vereinigten Königreich (UK), den EFTA-Staaten und Neuseeland . Dies spiegelt ein klares Bestreben nach Handelsdiversifizierung und Markterweiterung wider.

Wirtschaftliche Angleichung zwischen Indien und Deutschland im Zuge der EU-Freihandelsabkommensverhandlungen

Deutschlands wachsendes wirtschaftliches Engagement in Indien hat im Zuge der Freihandelsabkommensverhandlungen zwischen Indien und der EU neue Dynamik gewonnen. Der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Indien am 12. und 13. Januar 2026 , begleitet von einer Delegation führender deutscher CEOs, unterstrich Deutschlands strategischen Fokus auf Indien als langfristigen Wirtschaftspartner im Indopazifik.

Der Besuch fiel mit dem 25-jährigen Bestehen der Strategischen Partnerschaft zwischen Indien und Deutschland sowie dem 75-jährigen Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zusammen und spiegelt eine reife Partnerschaft wider, die zunehmend von Handel, Investitionen, industrieller Zusammenarbeit und Technologiepartnerschaften geprägt ist. Diese Entwicklungen positionieren die Beziehungen zwischen Indien und Deutschland als eine wichtige bilaterale Säule innerhalb des umfassenderen wirtschaftlichen Rahmens zwischen Indien und der EU.

India-Germany-New-Partnership

Indiens Premierminister Narendra Modi nimmt am 12. Januar 2026 in Ahmedabad (Gujarat) an einem deutsch-indischen Wirtschaftstreffen mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz teil. Bildquelle: PIB

Geschäftsorientierte Engagements und marktorientierter Dialog

Am 12. Januar 2026 sprachen Indiens Premierminister Modi und Bundeskanzler Merz gemeinsam auf dem indisch-deutschen CEO-Forum in Neu-Delhi und positionierten es als zentrale Plattform zur Förderung der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

Auf dem Forum betonten die führenden Vertreter beider Länder die Notwendigkeit, die politische Angleichung in konkrete wirtschaftliche Ergebnisse umzusetzen. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen der Ausbau der industriellen Zusammenarbeit, die Stärkung grenzüberschreitender Lieferketten und die Nutzung von Diversifizierungsstrategien, die durch globale geopolitische und wirtschaftliche Veränderungen bedingt sind.

Für deutsche Unternehmen bietet Indien eine skalierbare Produktions- und Innovationsbasis. Gleichzeitig bleibt Deutschland ein Tor für indische Firmen, die Zugang zu europäischen Märkten suchen – ein Vorteil, der durch das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU noch verstärkt wird.

Handel und Investitionen: Ausbau der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen

Laut Angaben des indischen Ministeriums für Handel und Industrie überstieg der bilaterale Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen den beiden Ländern im Jahr 2024 50 Milliarden US-Dollar und machte damit über 25 Prozent des gesamten indischen Handels mit der EU aus. Dieser Aufwärtstrend setzte sich bis 2025 fort und spiegelte die robuste Nachfrage sowie die wachsenden industriellen Verflechtungen wider.

Warenbeziehungen zwischen Indien und Deutschland (Wert in Mio. US$)

Handelsaktivitäten

Geschäftsjahr 2022-23

Geschäftsjahr 2023-24

Geschäftsjahr 2024-25

Geschäftsjahr 2025-26 (April-Nov*)

Indiens Exporte nach Deutschland

10.134,55

9.839,63

10.628,61

7.470,92

Indiens Importe aus Deutschland

16.601,53

16.644,27

18.947,62

12.779,92

Gesamthandel

26.736,08

26.483,90

29.576,24

20.250,84

Quelle: Handelsministerium, Ministerium für Handel und Industrie, Indische Regierung

Deutschland zählt weiterhin zu Indiens wichtigsten Exportmärkten in Europa, und die deutschen Exporte nach Indien decken weitgehend den indischen Bedarf an fortschrittlichen Maschinen, Technologien und Investitionsgütern. Diese bestehende Handelsdichte bildet eine solide Basis für weiteres Wachstum, sobald die durch Freihandelsabkommen bedingten Zoll- und Regulierungsbarrieren abgebaut sind.

Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU als Marktzugangsmultiplikator

Sowohl Indien als auch Deutschland sehen das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU als Katalysator für eine vertiefte wirtschaftliche Integration beider Länder .

Das Abkommen soll Folgendes bewirken:

  • Senkung von Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen
  • Verbesserung der regulatorischen Transparenz und Vorhersagbarkeit
  • Verbesserung des Marktzugangs für Waren, Dienstleistungen und Investitionen

Indiens Exporte in die EU-Länder (Wert in Mio. US$)

Land/Region

Geschäftsjahr 2023-24

Geschäftsjahr 2024-25

% Wachstum

EU-Länder

75.925,30

75.854,24

-0,09

Österreich

1.136,41

1.405,72

23,70

Belgien

7.837,17

6.320,14

-19,36

Bulgarien

223,64

230,44

3.04

Kroatien

233,30

335,76

43,92

Zypern

94,92

89,92

-5,26

Tschechische Republik

1.389,79

2.062,69

48,42

Dänemark

856,24

871,41

1,77

Estland

77,29

69,66

-9,88

Finnland

582,52

471,82

-19,00

Frankreich

7.141,09

7.960,06

11.47

Deutschland

9.839,63

10.628,61

8.02

Griechenland

1.055,17

1.056,17

0,09

Ungarn

561,46

533,65

-4,95

Irland

702,73

864,67

23.04

Italien

8.765,78

7.727,33

-11,85

Lettland

220,49

235,94

7.01

Litauen

314,42

258,06

-17,93

Luxemburg

39,65

49,90

25,85

Malta

496.11

351,09

-29,23

Niederlande

22.366,86

22.763,41

1,77

Polen

2.436,27

2.618,61

7,48

Portugal

1.183,80

920,25

-22,26

Rumänien

1.778,05

1.036,01

-41,73

Slowakische Republik

193.03

380,38

97,05

Slowenien

586,97

586,74

-0,04

Spanien

4.793,70

4.763,75

-0,62

Schweden

1.018,80

1.262,05

23,88

Quelle: Handelsministerium, Ministerium für Handel und Industrie, Indische Regierung

Für indische Exporteure, insbesondere in den Bereichen Textilien, Pharmazeutika, Maschinenbau, Elektronik und Dienstleistungen, könnte ein verbesserter Zugang zum EU-Markt die Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern. Deutsche Unternehmen dürften durch das Freihandelsabkommen einen leichteren Zugang zu Indiens schnell wachsenden Konsum- und Industriemärkten erhalten.

Neue Chancen in den Bereichen Fertigung und Technologie

Industrie- und Verteidigungsfertigung

Während die Verteidigungszusammenarbeit weiterhin von strategischer Bedeutung ist, konzentrieren sich die jüngsten Diskussionen zunehmend auf industrielle Ergebnisse. Ein Fahrplan für die industrielle Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich zielt darauf ab, Technologiepartnerschaften, gemeinsame Entwicklung und gemeinsame Produktion zu fördern und so neue Fertigungs- und Beschaffungsmöglichkeiten für Unternehmen beider Länder zu schaffen.

Technologie, Halbleiter sowie Forschung und Entwicklung

Die Fortschritte im Rahmen der Roadmap für Innovations- und Technologiepartnerschaften unterstreichen die Chancen in den Bereichen Halbleiter, digitale Technologien, Telekommunikation und Gesundheitsinnovationen. Die neu angekündigte Partnerschaft für ein Halbleiter-Ökosystem und Investitionen wie das Global Capability Centre von Infineon in GIFT City signalisieren eine stärkere Integration indischer und deutscher Unternehmen in globale Hightech-Wertschöpfungsketten.

Lieferketten, kritische Mineralien und Industrie 4.0

Eine gemeinsame Erklärung zu kritischen Mineralien spiegelt die gemeinsamen Prioritäten hinsichtlich der Lieferkettensicherheit für saubere Energie, Elektronik und fortschrittliche Fertigung wider. Die Zusammenarbeit im Rahmen des deutsch-indischen Digitalen Dialogs (2026–27) unterstützt darüber hinaus die Einführung von Industrie 4.0, künstliche Intelligenz und digitale Governance – Bereiche, in denen Unternehmen von harmonisierten Standards und gemeinsamer Innovation profitieren können.

Grüne Energie und nachhaltige Geschäftsmöglichkeiten

Deutschlands Zusage von 10 Milliarden Euro im Rahmen der Partnerschaft für grüne und nachhaltige Entwicklung deckt sich weitgehend mit Indiens Zielen im Bereich erneuerbare Energien und Klimaschutz. Gemeinsame Initiativen in den Bereichen Solarenergie, Windkraft, Batteriespeicherung und grüner Wasserstoff, unterstützt durch regulatorische Zusammenarbeit, schaffen wirtschaftlich tragfähige Möglichkeiten für Projektentwickler, Anlagenhersteller und Finanziers auf beiden Seiten.

Strategische Verbindungs- und Handelskorridore

Die Unterstützung des Wirtschaftskorridors Indien-Naher Osten-Europa (IMEC) unterstreicht das gemeinsame Ziel, die Logistikverbindungen und die Widerstandsfähigkeit des Handels zu stärken. Verbesserte Infrastruktur und Konnektivität sollen das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU ergänzen, indem sie die Handelskosten senken und die Effizienz der Lieferketten für regional tätige Unternehmen steigern.

Freihandelsabkommen Indien-EU: Strategischer Kontext und wirtschaftliche Auswirkungen

Warum das Freihandelsabkommen wichtig ist

Angesichts globaler Handelsstörungen und zunehmenden Protektionismus, insbesondere der hohen Zölle, denen indische Exporte in bestimmten Märkten wie den USA ausgesetzt sind, wird das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU als strategisches Instrument angesehen, um:

  • Diversifizierung der Exportziele
  • Verringerung der Abhängigkeit der Lieferkette von einer begrenzten Anzahl von Märkten
  • Sicherer, vorhersehbarer Zugang zu einer großen, regelbasierten Wirtschaft

Für indische Unternehmen fördert das Freihandelsabkommen die Diversifizierung ihrer Exporte und eine stärkere Integration in europäische Wertschöpfungsketten. Für deutsche Unternehmen verbessert es den Zugang zum wachsenden indischen Markt und stärkt gleichzeitig Deutschlands Rolle als wichtigster Wirtschaftspartner Indiens innerhalb der EU.

Erwartete Handels- und Investitionsergebnisse

Nach Abschluss der rechtlichen Prüfung und der Ratifizierungsverfahren soll das Freihandelsabkommen die Wettbewerbsfähigkeit indischer Exporteure in Branchen wie Textilien, Pharmazeutika, Maschinenbau, Elektronik und Dienstleistungen verbessern und gleichzeitig EU-Unternehmen einen besseren Zugang zum wachsenden indischen Markt ermöglichen. Für Deutschland dürfte das Abkommen seine Rolle als wichtigster EU-Handelspartner Indiens und wichtigster Investitionskanal stärken.

Ausblick: Zusammenlaufende bilaterale Dynamik und regionale Integration

Da die nächsten Regierungskonsultationen zwischen Indien und Deutschland für Ende 2026 geplant sind, fließen bilaterale Initiativen und das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU in eine kohärente Marktöffnungsstrategie zusammen. Für Unternehmen eröffnet diese Angleichung nachhaltige Chancen in den Bereichen Fertigung, Technologie, erneuerbare Energien, Infrastruktur, Rüstungsproduktion und Qualifizierung und positioniert die Zusammenarbeit zwischen Indien und Deutschland als zentralen Motor für Indiens breiteres wirtschaftliches Engagement in Europa.


Die Stärkung des Handels und der Investitionen zwischen Indien und Deutschland erfordert mehr als nur politische Vorgaben; sie bedarf konkreter Unterstützung vor Ort. Mit fundierten Kenntnissen des lokalen Marktes und langjähriger Erfahrung im internationalen Geschäft unterstützt unser Team indische und deutsche Akteure beim Ausbau ihrer Marktpräsenz und der Umsetzung von Wachstumsstrategien in den führenden Volkswirtschaften Asiens. Um einen Beratungstermin zu vereinbaren, klicken Sie bitte hier .

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