Indiens Arbeitsmarkt: Struktur und Kosten

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Da fast die Hälfte der 1,2 Milliarden Einwohner Indiens im erwerbsfähigen Alter ist, verfügt Indien über einen enorm großen Pool an Arbeitskräften. Die Struktur des indischen Arbeitsmarktes ist sehr divers. Ausländische Unternehmen sollten diese Struktur verstehen, um von Indiens demografischer Dividende zu profitieren.

Der Großteil der arbeitenden Bevölkerung ist in dem unorganisierten oder informellen Sektor beschäftigt und arbeitet in kleinen Unternehmen oder Fertigungswerken mit weniger als 10 Beschäftigten. Unternehmen, welche keine qualifizierten Arbeitskräfte benötigen, haben leichten Zugriff auf Arbeiter.

Die Ausweitung der Hochschulbildung hat einen größeren Pool an qualifizierten Arbeitskräften kreiert, welcher dennoch nur etwa 10% des gesamten Arbeitsmarktes ausmacht. Unternehmen, welche auf der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften sind, sollten sich auf einen Kampf um diese qualifizierten Arbeitskräfte einstellen.

Arbeitskraftstruktur in Indien

Die Arbeitsgesetze der Regierungen klassifizieren Arbeitnehmer üblicherweise nach Qualifikation und Einsatzbereich. Bezüglich der Qualifikation werden die Arbeitnehmer in ungelernt, angelernt, gelernt und hochqualifiziert und bezüglich des Einsatzbereiches in Führungskräfte und Arbeiter eingestuft. Diese Einstufung definiert die Arbeitsrollen, Gehälter, Zusatzleistungen sowie die Rechte und Verpflichtungen.

Lohnkosten in Indien

Unternehmen, welche in Indien investieren, wählen diesen Schritt häufig nach einem Vergleich der Lohnkosten Indiens mit den anderer Länder. Mit seinen geringen Lohnkosten und dem Zugang zu einem enorm großen Arbeitermarkt, bietet Indien Unternehmen gewisse Wettbewerbsvorteile. So beträgt zum Beispiel der durchschnittliche Mindestlohn für einen Arbeiter in Indien 146 USD pro Monat, während er in China 234 USD beträgt.

Arbeitgeber sollten beachten, dass der Mindestlohn in Indien indikativ ist: er wird oft als Benchmark, insbesondere für ungelernte und angelernte Arbeitskräfte im verarbeitenden Sektor, genutzt.

Die Lohnkosten in Indien variieren auch regional: in Tier-2 und Tier-3 Städten sind die Löhne, verglichen mit Tier-1 Städten, aufgrund von niedrigeren Lebenshaltungskosten und günstigeren Immobilien wesentlich geringer. Der Unterschied auf der Gehaltsskala kann bis zu 25% betragen, da im Vergleich mit Tier-1 Städten, in Tier-2 und Tier-3 Städten die Ausgleichszahlungen und die Übermittlungszahlen der Stadt einen wesentlich kleineren Teil des Gehalts ausmachen. Aus diesem Grund beträgt zum Beispiel das Durchschnittsgehalt eines Softwareingenieurs in Neu-Delhi 7.632,53 USD, während es in Mysore 6.621,47 beträgt.

Einstellungskosten im IT- und Automobilsektor

Der IT– und der Automobilsektor sind die zwei bekanntesten Sektoren in Indiens organisierter Staatswirtschaft. Sie erhalten den Großteil des ausländischen Investments und beschäftigen die meisten Arbeitskräfte. Der indische IT-Sektor macht 67 Prozent des globalen Outsourcing-Marktes aus. Während der gesamte verarbeitende Sektor 17% zu Indiens Wirtschaft beiträgt, trägt die Automobilfertigung 22% zum Umsatz des verarbeitenden Sektors und sieben Prozent zu Indiens gesamten BIP zu.

Im IT-Sektor werden die Art von Arbeitsstellen und die Anforderungen beruflicher Fähigkeiten von neuen Technologiesegmenten wie der künstlichen Intelligenz (KI), Datenanalyse und maschinellem Lernen geprägt. Unternehmen sind deshalb bereit, Softwareentwicklern und -ingenieuren mit Fähigkeiten in diesen Bereichen ein höheres Gehalt zu zahlen. Da ein Großteil der Arbeitskräfte jedoch im Umgang mit alten Technologien ausgebildet wurde, ist der Wettbewerb um diese Arbeitskräfte immens. Derzeit erlebt der Sektor einige Störungen, welcher auf die Entlassung und Umschulung von Arbeitskräften zurückzuführen ist. Dies kann wiederrum für ausländische Unternehmen von Vorteil sein, welche zu wettbewerbsfähigen Preisen Arbeitskräfte in alten Industrien, wie dem Outsourcing von Geschäftsprozessen (BPOs), suchen.

Im verarbeitenden Sektor erwartet die bundesweite Initiative „Make in India“ die Ausweitung von Industrieinvestitionen und inländischen Geschäften, welche die Schaffung von technischen Arbeitsplätzen sowie Fabrik- und Montagestellen ankurbeln wird.

Regionale Produktionszentren konzentrieren sich in den großen Tier-2 und Tier-3 Städten im nördlichen, westlichen und südlichen Teilen des Landes, wo die Mehrheit der qualifizierten Arbeitskräfte Indiens wohnen.  Zu diesen Städten gehören zum Beispiel Pune (Maharashtra) im Westen, Gurgaon (Haryana) im Osten und Chennai (Tamil Nadu) im Süden.

Die Nähe zu großen Städten erlaubt es Unternehmen auf qualifizierte Arbeitskräfte in der Nähe zurückzugreifen und gleichzeitig die Geschäftskosten durch zuverlässige Logistiknetzwerke zu sinken.

Im IT-Sektor entwickeln sich Städte niedrigeren Tiers wie Ahmedabad (Gujarat), Chandigarh (Punjab), und Mangalore (Karnataka), neben Tier-1 Städten wie Mumbai (Maharashtra), Bangalore (Karnataka), und Gurgaon (Haryana), zu bekannten IT-Zentren. Im Automobilsektor haben sich besonders die Staaten Gujarat, Maharashtra, Haryana, Tamil Nadu und Andhra Pradesh zu Drehscheiben entwickelt.

Industrieexperten gaben an, dass das Wachstum des Durchschnittsgehalts für den IT- und den Automobilsektor in den Jahren 2017-18 auf sieben und 10,1 Prozent prognostiziert wurde. Wir heben die jährliche Durchschnittsvergütung für den IT- und den Automobilsektor hervor.


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