Indiens IT-Sektor – wachsende Investitionsmöglichkeiten

Posted by Written by Vasundhara Rastogi Reading Time: 6 minutes

Indien hat einen herausragenden Status für seine Fähigkeiten im Bereich des Outsourcings von IT-Dienstleistungen. Etwa 67 Prozent des globalen Outsourcing-Marktes werden von Indien bedient.

Angezogen werden die Investoren insbesondere durch qualifizierte, fließend Englisch sprechende Facharbeiter, eine hochwertige Infrastruktur (Anbindung an andere Länder, Geschäftszentren und Bildungseinrichtungen) und eine unterstützende Politik der Regierung.

Des Weiteren entwickelt sich Indien über die Altlasten der reinen Outsourcing Nation hinweg zu einer Nation der Wertschöpfung. Indien bietet kosteneffiziente Technologien für globale Kunden und öffnet neue vertikale Verflechtungen in Geschäftsfeldern wie der Systemintegration, Beratungsdienstleistungen und technologiegestützten Unternehmensdienstleistungen, besser bekannt als SMAC.

Während führende multinationale indische Konzerne wie Tata Consultancy Services, Infotech, Wipro, Cognizant und Infosys den IT–Sektor dominieren, beherbergt das Land ebenfalls eine hohe Anzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU), welche über 30 Prozent der IT Exporte Indiens erwirtschaften.

Während KMU-Dienstleistungsunternehmen meist ihr eigenes, fokussiertes IT-Nischensegment bedienen, bedienen die größeren multinationalen Unternehmen (MNCs) meist eine breite Palette an Dienstleistungen in mehreren Vertikalen, inklusive des Infrastrukturmanagements und der Unternehmensförderung. Indiens multinationale Unternehmen sind in mehr als 60 Ländern präsent und erwirtschaften einen Anteil von etwa 70 Prozent der gesamten IT-Exporteinnahmen Indiens.

Laut des Gewerbeverbands – National Association of Software and Services Companies (NASSCOM) – werden die IT Exporte Indiens bis 2019-2020 bereits 330 Milliarden US-Dollar überschreiten. Dies würde etwa 14 Prozent der prognostizierten weltweiten Ausgaben für IT entsprechen, sofern Indien seinen derzeitigen Anteil an dem weltweiten Offshore-IT-Markt halten kann.

Nachfolgend wird erläutert, was Indien zu einem attraktiven Ziel für Investitionen macht und warum jetzt der richtige Zeitpunkt des Markteintritts für ausländische KMUs ist.

Vorteil Indien – Talentbeschaffung, umfangreicher Arbeitsmarkt

Indien verfügt über eine starke Mischung aus jungen und gut ausgebildeten Fachkräften. Regierungseinrichtungen, wie das Indische Institut für Technologie (IIT), das Indische Institut für Management (IIM) und die Indische Schule für Wirtschaft (ISB), sind dafür bekannt, hoch qualifizierte STEM (Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen, Mathe) Talente mit einer Reihe von unterschiedlichen Managementfähigkeiten hervorzubringen.

Diese Fachkräfte bieten ihren Firmen nicht nur vergleichsweise günstige Arbeitskraft, sondern erlauben es der Industrie wachsende inländische und globale Möglichkeiten der digitalen Transformation wahrzunehmen, während sie gleichzeitig hohe Produktivitätsraten beibehalten. Im Jahr 2016 sind schätzungsweise mehr als sechs Millionen Absolventen erwerbstätig geworden, wovon mehr als die Hälfte die nötigen Fähigkeiten besitzt um in der IT Branche arbeiten zu können.

Globale Qualitätsstandards

Indiens IT-Händler folgen international etablierten Vorgehensweisen und haben sich unterschiedlichen globalen Qualitätsstandards angepasst:

  • Das Reifegradmodell (CMM) welches beurteilt, in wie weit eine Firma in der Lage ist ein in Auftrag gegebenes Softwareprojekt einzuführen;
  • Die Organisation für internationale Standards (ISO 9000) welche Qualitätsgarantien für Design, Entwicklung, Produktion, Installation und Wartung von Software anwendet;
  • Total Quality Management (TQM);
  • Six Sigma Quality certification; und
  • Das Customer Operations Performance Center (COPC)-2000®-Zertifikat, welches belegt, dass ein Unternehmen in der Lage ist, qualitative Softwareentwicklung pünktlich zu liefern.

Tatsächlich kommen mehr als 75 Prozent der durch das CMM zertifizierten Unternehmen aus Indien. Außerdem hat Indien die größte Anzahl an ISO-9000 zertifizierten Unternehmen weltweit.

Geringe Service- und Lohnkosten

Qualität und Kosten der Dienstleistungen sind zwei Schlüsselvariablen, welche Indien zum beliebtesten Beschaffungsmarkt der Welt machen.

Indien kann Unternehmen, abhängig von der Art der Dienstleitung, eine Kostenersparnis zwischen 40 und 60 Prozent, im Vergleich zu führenden Software Märkten in den USA, ermöglichen. Zum Beispiel kostet das Einstellen eines Softwareentwicklers in den USA (abhängig von der zu entwickelnden Software) pro Stunde etwa 50-150USD, während die gleiche Einstellung in Indien lediglich 15-45USD kosten würde.

Diese Flexibilität der Preise ist insbesondere für kleine und mittelständige Unternehmen der Branche interessant, da diese zu wettbewerbsfähigen Preisen effizienter arbeiten können und somit höhere Gewinnmargen auf ihre Endprodukte erhalten.

Neue IT-Zentren in aufstrebenden Tier-II und Tier-III Städten

Da sich die Infrastruktur im gesamten Land verbessert, expandieren IT-Unternehmen in Städte wie zum Beispiel Ahmedabad und Surat (Gujarat Staat), Bhubaneshwar (Orissa Staat), Chandigarh und Ludhiana (Punjab Staat), Coimbatore (Tamil Nadu Staat), Jaipur (Rajasthan Staat), Kochi und Thiruvananthapuram 9Kerla Staat), Mangalore (Karnataka Saat) und Nagpur (Maharashtra Staat) um auch die Städte niedrigeren Ranges abzudecken.

Niedrige Arbeitskosten, erschwingliche Immobilien, sowie die Einführung von Software Technologie Parks (STPI) und Sonderwirtschaftszonen (SEZs) machen diesen Städten für IT Unternehmen besonders attraktiv.

Die Städte niedrigeren Ranges haben sich zu inländischen Zentren entwickelt und ein Hub-Spoke-Modell ist entstanden, in welchem die Tier-I Städte als Hubs und die Tier-II und Tier-III als Spokes dienen. Das Modell erlaubt es Organisationen ihre Operationen in Richtung Tier-II und Tier-III Städten zu diversifizieren und gleichzeitig hochwertige Geschäftskunden in Tier-1 Städten zu erhalten.

Regierungsunterstützung, digitale Infrastruktur

Die indische Regierung hat einen Rahmen an Richtlinien verabschiedet, welcher der IT-Outsourcing-Industrie einige Vorteile bietet. Darin enthalten sind nationale Strategien, finanzielle Anreize und die Entwicklung der Infrastruktur, welche die lokalen Anreize für den IT-Sektor komplementieren.

Derzeit fließen 20 Milliarden US-Dollar aus der staatlichen Kampagne “Digitales Indien” unter anderem in Investitionen zur Verbesserung der Internet-Infrastruktur, zur Errichtung von Online-Bezahlungssystemen und in die Entwicklung eines elektronischen Verwaltungssystems der Regierung.

Währenddessen unterstützt die „Startup Indien“-Kampagne Technologie-Startups, welche als kritisch für das Wachstum und die Entwicklung der SMAC-Fähigkeiten in der Technologiebranche gelten. SMAC steht dabei für Soziale Medien, Mobilität, Datenanalyse und Cloud –Computing. Indiens über 4.000 Startups stehen in dieser sich rasch entwickelnden IT-Landschaft an vorderster Front der Innovation.

Der Staat bietet IT-Unternehmen in Indien finanzielle Anreize. Angeboten werden diese Anreize für Export Orientierte Einheiten (EOUs), STPIs und SEZs. Außerdem bietet die Regierung eine Reduktion der Steuerquote auf Lizenzgebühren und Gebühren für technische Dienstleistungen von 25 auf 10 Prozent.

Neben der Etablierung von Software-Technologie Parks hat der Plan des Federal State Wide Area Networks (SWANs) Netzwerke verteilt durch alle 29 Staaten und sechs Unionsterritorien eingerichtet. Sie verfügen über eine minimale Bandbreite von zwei Mbps bei Gesamtkosten von 512.69 Millionen US-Dollar.

Zeit in Indien zu investieren

Für ausländische SMEs, welche nach einer kostengünstigen IT-Destination suchen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt um in Indien zu investieren. Der Sektor befindet sich inmitten einer aufregenden Strömung, da neue Technologien zur Gewohnheit werden und eine weitere Nachfrage schaffen, um sich erhöhten Servicekompetenzen anzupassen.

Sobald der indische IT-Sektor seine Geschäftsbereiche, Trainings und Infrastruktur entlang der SMAC-Linie konsolidiert hat, wird er in der Lage sein mit multinationalen Konzernen als vollständiger IT-Dienstleistungsanbieter zu konkurrieren und nicht länger nur als Instandhaltungsanbieter oder Back-End-Supportanbieter gelten. Laut NASSCOM zeigte der Sektor, mit einem Wachstum von 10,5 Prozent im Jahr 2017, ein Wachstumsschwerpunkt in den High-End-Dienstleistungen.

Daraus resultierend entstehen neue Nischensegmente, welche die Expansion des gesamten IT Sektors Indiens beschleunigen und neue digitale Lösungen, sowie Technologie-Vertikalen für verschiedenste Branchen wie das Gesundheitswesen, Finanzen, Transport und Produktion bedienen. In der Gesamtbetrachtung der indischen Wirtschaft geben Organisationen nun 45 Prozent ihres IT-Budgets für die Optimierung bestehender IT Infrastruktur, die Entwicklung gut ausgebildeter Fachkräfte und die Erneuerung digitaler Prozesse aus, um damit ihr Unternehmen anpassungsfähiger und belastbarerer zu machen.

Diese Diskontinuität in der Forschung und Entwicklung, welche zum Upgrade auf die nächste Entwicklungsstufe nötig ist, führt jedoch zu notwendigen und vorläufigen Entlassungen in diesem Sektor.  

Ausländische Unternehmen, welche Back-End-Services (Outsourcing) anbieten, können überschüssige Arbeitskraft des indischen Marktes effektiv und zu wettbewerbsfähigen Preisen nutzen.

Währenddessen wird sich Indiens IT-Ökosystem, einschließlich der zugehörigen Bildungs- und Ausbildungssektoren stetig weiterentwickeln und ausländischen Marktteilnehmern den oberen Rand bieten, welchen sie im globalen Markt benötigen.


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